Glossar
17. BImSchV
Die 17. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (17. BImSchV) regelt Errichtung, Beschaffenheit und Betrieb von Anlagen, in denen Abfälle verbrannt oder mitverbrannt werden – also auch von Müllverbrennungsanlagen wie der MKVA Krefeld. Sie legt unter anderem die Emissionsgrenzwerte fest, die alle diese Anlagen einhalten müssen. Mit der ersten Fassung vom 23.11.1990 wurden die Grenzwerte gegenüber den bis dahin geltenden Vorgaben deutlich verschärft und erstmals auch Grenzwerte für Dioxine und Furane eingeführt. Seitdem wurde die Verordnung mehrfach überarbeitet und 2013 neu gefasst.
Abfallwirtschaftsplan
Ein Abfallwirtschaftsplan legt fest, wie die in einem Bundesland anfallenden Abfälle vermieden, verwertet und beseitigt werden sollen – einschließlich der dafür benötigten Entsorgungsanlagen. Die Bundesländer sind nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz verpflichtet, solche Pläne für ihr Gebiet aufzustellen.
Abgesetzter Schlamm
Klärschlamm, der durch Schwerkraftsedimentation aus dem Abwasser abgeschieden wurde.
Abwasser
Jedes durch Gebrauch verunreinigte oder jedes sonstige in die Kanalisation gelangende Wasser.
AOX
Adsorbierbare organische Halogenide = Konzentration an organischen Halogenverbindungen, insbesondere Konzentration der chlororganischen Verbindungen; Dimension: mg/l
Bakterien
Mikroorganismen aus der Gruppe der Prokaryonten.
Belebtschlamm
Der Belebtschlamm ist quasi das Waschmittel bei der biologischen Abwasserreinigung. Bakterien, Mikroorganismen, Algen und Pilze nehmen die im Abwasser gelösten oder fein verteilten Stoffe auf. Der für diese Arbeit notwendige Sauerstoff wird den Organismen in der Kläranlage verstärkt zugeführt.
Belebungsbecken
Behälter, in dem Abwasserinhaltsstoffe mit Hilfe von Belebtschlammflocken umgewandelt werden. Das Becken kann belüftete Zonen enthalten (aerobe Milieuverhältnisse). Zonen, in denen der Beckeninhalt ohne Belüftung umgewälzt wird, dienen zur Bereitstellung anaerober oder anoxischer Milieubedingungen. Durch Zudosieren von Chemikalien können in dem Becken auch chemische Umwandlungsreaktionen durchgeführt werden (z. B. Phosphatfällung).
Belebungsverfahren
Biologische Abwasserreinigung mit Hilfe von Mikroorganismen, die in Form von Flocken (Belebtschlammflocken) wachsen. Die Belebtschlammflocken werden im Bioreaktor (Belebungsbecken) in Suspension gehalten. Im nachgeschalteten Absetzbecken werden die Flocken vom gereinigten Abwasser abgetrennt und größtenteils zum Belebungsbecken zurückgepumpt (Schlammrückführung).
BImSchG
Das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) bildet die Grundlage für ein umfassendes bundeseinheitliches Recht zur Luftreinhaltung und Lärmbekämpfung. Ziel ist es, Menschen, Tiere, Pflanzen, den Boden, das Wasser, die Atmosphäre sowie Kultur- und Sachgüter vor schädlichen Umwelteinwirkungen zu schützen. Zahlreiche Verordnungen und technische Anleitungen setzen das Gesetz um.
Biologischer Abbau
Zerlegung organischer Abwasserinhaltsstoffe durch Mikroorganismen zur Gewinnung von Grundstoffen für den Aufbau von Biomasse und zur Gewinnung von Elektronen für die Energieerzeugung.
BSB5
Biologischer Sauerstoffbedarf, ermittelt aus der Menge an Sauerstoff, die von Mikroorganismen im Verlauf von fünf Tagen verbraucht wird. Äquivalent für die Konzentration an biologisch abbaubarer organischer Substanz; Dimension: mg/l
CSB
Chemischer Sauerstoffbedarf, ermittelt aus der Menge an Sauerstoff, die zur chemischen Oxidation organischer Substanzen verbraucht wird; Äquivalent für die Konzentration an organischer Gesamtverschmutzung; Dimension: mg/l
Denitrifikation
Umwandlung von Nitrat (NO₃) und Nitrit (NO₂) in atmosphärischen Stickstoff (N₂) durch Mikroorganismen (Denitrifikanten).
Deponiesickerwasser
Wasser, das durch eine Abfalldeponie hindurchgesickert ist.
Dioxine (PCDD)
Polychlorierte Dibenzo-p-dioxine: Sie entstehen als Nebenprodukt bei der Herstellung chlorierter Chemikalien sowie bei unvollständiger Verbrennung. Insgesamt gibt es 210 verschiedene chlorierte Dioxine und Furane, die sich in ihrer Giftigkeit sehr stark unterscheiden. Seit dem 01.12.1996 gilt für alle Müllverbrennungsanlagen in Deutschland ein gesetzlicher Grenzwert von 0,1 Nanogramm (0,000 000 000 1 Gramm) pro Kubikmeter Abgas als Toxizitätsäquivalent (TE) für Dioxine und Furane. Das Toxizitätsäquivalent fasst die unterschiedliche Giftigkeit der 210 Verbindungen zu einem Summenwert zusammen: Bezugsgröße ist 2,3,7,8-TCDD, bekannt geworden als „Seveso-Gift“, mit dem Faktor 1. Die übrigen Verbindungen werden entsprechend ihrer geringeren Giftigkeit mit kleineren Faktoren berücksichtigt.
EAG
Die Entsorgungsanlagengesellschaft hat bei der Privatisierung der Müllverbrennungsanlage und des Klärwerkes beide Anlagen von der Stadt gekauft und an die EGK als Betreibergesellschaft weiterverpachtet.
EGK
Die Entsorgungsgesellschaft Krefeld betreibt die Müllverbrennungsanlage als beauftragte Dritte der Stadt und reinigt das Abwasser in dem Klärwerk als sogenannte Erfüllungsgehilfin.
Einwohnergleichwert EWG
Ein Einwohnergleichwert gibt die Menge abbaubarer organischer Substanzen wieder, die ein Einwohner pro Tag produziert und für deren Reinigung 60 Gramm Sauerstoff benötigt werden. Diese Rechengröße gibt die Gesamtverschmutzung des Abwassers durch Industrie und Haushalte an.
Emission
Aussendung von luft- oder wasserfremden Stoffen in die Atmosphäre bzw. in ein Gewässer. Im Hinblick auf die Luftreinhaltung versteht man unter Emission vor allem die bei einem technischen Prozess anfallenden und an die Umgebung abgegebenen Luftverunreinigungen (Abgas, Abdampf, Abluft), aber auch Geräusche, Erschütterungen, Strahlungen und Wärme.
Emissionsfernübertragung (EFÜ)
Die kontinuierlich zu überwachenden Emissionen am Kamin der MKVA Krefeld werden automatisch erfasst und auf einen Rechner übertragen. Über die Emissionsfernübertragung (EFÜ) gehen diese Daten direkt an die zuständige Überwachungsbehörde.
Faulschlamm
Klärschlamm, der in einem Anaerobreaktor (Faulturm) stabilisiert wird/wurde.
Faulturm
Geschlossener Behälter zur Durchführung der anaeroben Schlammstabilisierung (Schlammfaulung). Der Behälter wird mit Klärschlamm aus Vor- und Nachklärbecken beschickt. Eine Beheizung sorgt für eine Temperatur von ca. 30 Grad Celsius oder ca. 55 Grad Celsius. Durch Umwälzung des Behälterinhalts wird eine möglichst vollständige Durchmischung angestrebt.
Fracht
Masse an Abwasserinhaltsstoffen, die pro Zeiteinheit durch einen Kontrollquerschnitt hindurchtritt. Synonym: Massenstrom; Dimension: kg/d
Fremdwasser
In die Kanalisation eindringendes oder gelegentlich eingeleitetes Grundwasser sowie über Fehlanschlüsse eingeleitetes Wasser.
Furane (PCDF)
Polychlorierte Dibenzofurane: Sie entstehen als Nebenprodukt bei der Herstellung chlorierter Chemikalien sowie bei unvollständiger Verbrennung. Siehe auch: Dioxine.
GSAK
Die GSAK Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft mbH & Co. KG ist quasi die Schwester der EGK. 1994 wurde der ehemals städtische Fuhrpark ebenfalls nach dem Krefelder Modell privatisiert. Auch hier sind die SWK AG mit 51 Prozent und die EGN mbH mit 49 Prozent beteiligt. Die GSAK übernimmt für die Stadt Krefeld die Aufgaben der Straßenreinigung, der Müllabfuhr, des Winterdienstes, Sonderreinigungsaktionen nach Großveranstaltungen und bietet einen Containerdienst an.
Häusliches Schmutzwasser
Schmutzwasser aus Küchen, Waschräumen, Toiletten und ähnlich genutzten Räumen.
Immission
Die Emissionen (Geräusche, Gerüche, Lichtstrahlen, Erschütterungen, flüssige und feste Stoffe) aus einer Verursacherquelle führen in der benachbarten Umwelt beim Empfänger zu Immissionen, die mit der Entfernung abnehmen.
Katalysator
Ein Bestandteil der Rauchgasreinigung in MVAs. Neben der Reduktion der Stickoxide können einige Katalysatoren gleichzeitig Dioxine und Furane zerstören.
Klärschlamm
Suspension von Feststoffen, die aus Abwässern abgetrennt wurden.
Kommunales Schmutzwasser
Abwasser aus geschlossenen Siedlungsgebieten. Es enthält häusliches, gewerbliches und industrielles Schmutzwasser sowie möglicherweise auch Regen- und Fremdwasser.
Konzentration
Masse an Abwasserinhaltsstoffen pro Volumeneinheit. Dimension: kg/m³ (Beispiel)
Kraft-Wärme-Kopplung
Die bei der Verbrennung erzeugte Wärme der Rauchgase wird im Kessel dazu benutzt, Dampf zu erzeugen. Dieser Dampf wird sowohl zur Stromerzeugung (= Kraft) als auch zur Fernwärmeerzeugung (= Wärme) genutzt. Bei der Stromerzeugung treibt der Dampf eine Turbine an. Diese Turbine betreibt einen Generator, der in seiner Funktionsweise mit einem Fahrraddynamo zu vergleichen ist.
„Krefelder Modell“
Das „Krefelder Modell“ ist ein Beispiel für eine öffentlich-private Partnerschaft (englisch: Public Private Partnership, PPP). 51 Prozent der Anteile hält indirekt die öffentliche Hand über die SWK, 49 Prozent die EGN (Entsorgungsgesellschaft Niederrhein).
Kreislaufwirtschaftsgesetz KrWG
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) ist am 1. Juni 2012 in Kraft getreten und hat das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) von 1996 abgelöst. Zweck des Gesetzes ist es, die Kreislaufwirtschaft zur Schonung der natürlichen Ressourcen zu fördern und den Schutz von Mensch und Umwelt bei der Erzeugung und Bewirtschaftung von Abfällen sicherzustellen. Alle Stoffe, derer sich jemand entledigt, gelten als Abfall – unterschieden wird zwischen Abfällen zur Verwertung und Abfällen zur Beseitigung. Kern des Gesetzes ist eine fünfstufige Abfallhierarchie: 1. Vermeidung, 2. Vorbereitung zur Wiederverwendung, 3. Recycling, 4. sonstige Verwertung, insbesondere energetische Verwertung, 5. Beseitigung. Grundsätzlich hat die Maßnahme Vorrang, die Mensch und Umwelt am besten schützt.
Kühlwasser
Wasser, das zur Übertragung von Wärme verwendet wurde.
Mischabwasser
Mischung aus Schmutz- und Regenwasser. Mischabwasser kann auch Fremdwasser und Kühlwasser enthalten.
MVA, MKVA
Die ersten Müllverbrennungsanlagen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts in England. In Deutschland ging die erste Anlage in den 1890er-Jahren in Hamburg in Betrieb – als Reaktion auf die schwere Cholera-Epidemie von 1892. Anfangs ging es vor allem um Hygiene und darum, Abfall sicher zu beseitigen. Heute wird zusätzlich die im Abfall enthaltene Energie genutzt, um Strom und Fernwärme zu erzeugen. Bau und Betrieb von Müllverbrennungsanlagen sind in Deutschland gesetzlich streng geregelt, unter anderem durch das Bundes-Immissionsschutzgesetz und die 17. BImSchV. Diese Vorgaben gelten für alle Anlagen. Die Krefelder Anlage trägt das „K“ für die Klärschlamm-Mitverbrennung im Namen: MKVA = Müll- und Klärschlammverbrennungsanlage.
Nachklärbecken
Sedimentationsbecken zur Abtrennung der Biomasse, die aus biologischen Reaktoren (Belebungsbecken, Tropfkörper etc.) ausgeschwemmt wird. Durch gezielte Strömungsführung wird eine Minimierung der Feststoffkonzentration im Ablauf des Beckens angestrebt.
Nanogramm
Ein Nanogramm ist der milliardste Teil eines Gramms, also 0,000 000 001 Gramm.
Nitrifikation
Umwandlung von Ammonium (NH₄) bzw. Ammoniak (NH₃) zu Nitrit (NO₂) und weiter zu Nitrat (NO₃).
Organisch / Anorganisch
Organische Substanzen sind Kohlenstoffverbindungen, die nach ursprünglicher Auffassung dem Bereich der belebten Natur, anorganische dem Bereich der unbelebten Natur entstammen.
PAK
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe: Verbindungen, die bei der unvollständigen Verbrennung, z. B. beim Rauchen, entstehen; sie sind in Bitumen und Teer enthalten.
PCB
Polychlorierte Biphenyle: Chlorverbindungen, die früher unter anderem als Kühl- und Isolierflüssigkeit in Transformatoren und Kondensatoren eingesetzt wurden. In Deutschland sind Herstellung und Verwendung seit 1989 verboten.
Rechensieb
Bauwerk, das der Entnahme von Grobstoffen aus dem Abwasser dient. Durch Abstufung der Spaltbreite (Grobrechen, Feinrechen, Sieb, Feinstsieb) kann eine fraktionierte Partikelabscheidung erreicht werden. Rechen und Siebe sind die ersten Reinigungselemente einer Kläranlage.
Regenrückhaltebecken
Speicherraum für Mischwasserabflussspitzen. Das zwischengespeicherte Abwasser wird – verzögert, aber vollständig – der Kläranlage zugeführt.
RRA
Die Rauchgasreinigungsanlage (RRA) reinigt das bei der Verbrennung von Abfall entstehende Rauchgas. Neben der Staubabscheidung durch Elektrofilter oder Gewebefilter stehen für die Entfernung der gasförmigen Bestandteile Wäscher und Katalysatoren zur Verfügung. In der RRA in Krefeld sind sechs Reinigungsstufen vorhanden.
Schlamm
Wasserreiches Gemisch partikulärer Substanzen (Suspension); Schlämme sind durch ihren hohen Wassergehalt gekennzeichnet.
Schlammentwässerung
Anlagen zur Abtrennung von Wasser aus Klärschlamm. Eine Abtrennung kann mit Sedimentationsbecken erreicht werden (Eindicker) oder maschinell durch Zentrifugieren, durch Filtration oder Auspressen des Wassers (Siebbandpressen, Kammerfilterpressen).
Schlammfaulung
Umwandlung von organischen Bestandteilen des Klärschlamms in Methangas (CH₄), Kohlendioxid (CO₂) und in einige andere Gase mithilfe anaerober Bakterien.
Stabilisierter Schlamm
Klärschlämme, die durch aerobe oder anaerobe Behandlung ihre Fäulnisfähigkeit weitgehend verloren haben.
TASI
Die Technische Anleitung Siedlungsabfall (TASI) trat am 01.06.1993 in Kraft. Sie enthielt Vorgaben zur Verwertung und Behandlung von Abfällen, zur technischen Ausstattung von Deponien und Behandlungsanlagen und zur Beschaffenheit abzulagernder Restabfälle. Seit dem 01.06.2005 dürfen Siedlungsabfälle nur noch vorbehandelt – zum Beispiel thermisch oder mechanisch-biologisch – auf Deponien abgelagert werden. 2009 wurde die TASI durch die Deponieverordnung (DepV) abgelöst, die diese Anforderungen weiterführt.
TOC
Total Organic Carbon = gesamter organisch gebundener Kohlenstoff. Konzentration an organisch gebundenem Kohlenstoff als Maß für die Konzentration an organischer Substanz im Abwasser; Dimension: mg/l
TS
Trockensubstanz; Konzentration der im Abwasser enthaltenen ungelösten, abfiltrierbaren Stoffe; Dimension: mg/l
Überschuss-Schlamm
Belebtschlamm, der zur Konstanthaltung einer vorgewählten Biomassenkonzentration bzw. eines vorgewählten Schlammalters aus einer Belebungsanlage abgezogen wird.
Wäscher
Ein Bestandteil der Rauchgasreinigung in MVAs. Mithilfe eines Waschmediums werden in der Hauptsache die sauren, gasförmigen Bestandteile aus dem Rauchgas herausgewaschen.